von Carsten Jürgens, Geschäftsführer stücker
Ich mache das jetzt seit über zwei Jahrzehnten. Ich habe Büros in kleinen Handwerksbetrieben ausgestattet, Verwaltungsgebäude in Kiel umgestaltet, Open-Space-Konzepte für Mittelständler entwickelt. Und ich werde ehrlich mit euch sein: Die Einwände, die mir Entscheidende entgegenwerfen, sind fast immer dieselben. Fast wortidentisch. Das ist kein Vorwurf, im Gegenteil. Denn es zeigt mir, dass dahinter oft starke Überzeugungen stecken. Also nehme ich diese Argumente ernst. Und ich möchte sie euch heute Punkt für Punkt erläutern und diesen Bedenken Gegenargumente liefern.
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„Das ist zu teuer – wir haben kein Budget dafür.“
Der Klassiker. Und ich verstehe ihn. Neue Büromöbel, ein durchdachtes Raumkonzept. Das kostet auf den ersten Blick erstmal einfach Geld. Aber schauen wir auf die andere Seite der Rechnung: Ein krankheitsbedingter Fehltag kostet einen Arbeitgeber in Deutschland durchschnittlich 300 Euro – nicht einfach in Produktivität, sondern in direkten Kosten. Über 80% der deutschen Büroangestellten leiden unter arbeitsbedingten Beschwerden wie Rücken- und Nackenschmerzen. Studien zeigen, dass ergonomische Möbel eine Rendite von 200 bis 400 Prozent erzielen können, wenn man reduzierte Krankenstandskosten und Produktivitätssteigerungen gegenrechnet. (QUELLE)
Hinzu kommt: Büromöbel sind steuerlich absetzbar, und es gibt Förderprogramme (etwa über die KfW oder die Berufsgenossenschaften), die Investitionskosten deutlich senken.
Das Geld für gute Ausstattung ist meist schon da.
Es steckt nur häufig noch in Fehltagen. (Hintergründe zur Ergonomie-Rentabilität)
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„Unsere Mitarbeiter haben sich noch nie beschwert.“
Das glaube ich euch sogar. Denn die meisten Mitarbeitenden beschweren sich einfach nie. Stattdessen kündigen sie irgendwann innerlich oder äußerlich. Oder sie gehen einfach öfter zum Arzt. Der Krankenstand in Deutschland lag 2025 bei 5,83 Prozent, historisch hoch, mit Muskel-Skelett-Erkrankungen als Hauptursache. Nur 38% der deutschen Heimarbeiter haben einen ergonomischen Bürostuhl, in den Niederlanden sind es 72%.
Das sind stille, ernstzunehmende Warnsignale.
-> Mehr zur gefährlichen Ergonomie-Lücke
Ein Büro, das physisch und mental passt, ist heute auch ein Recruiting-Argument.
Fast die Hälfte aller Arbeitnehmer würde laut aktuellen Studien einen Jobwechsel in Betracht ziehen, wenn ihr Arbeitgeber keine flexible, gut ausgestattete Arbeitsumgebung bietet.
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„Wir haben erst vor fünf Jahren neu eingerichtet.“
Fünf Jahre in der Arbeitswelt? Das ist eine Ewigkeit. Remote Work, Hybrid-Modelle, veränderte Teamgrößen, neue Kollaborationsformen: Das alles hat die Art, wie wir Büro nutzen, fundamental verändert und tut es auch weiterhin. Was 2019 oder 2020 gekauft wurde, war für eine Arbeitswelt designt, die es so nicht mehr gibt.
Das bedeutet aber nicht, dass alles weg muss. In den meisten Unternehmen reichen gezielte Anpassungen: eine Zonenplanung, neue Akustikelemente, höhenverstellbare Tische für bestimmte Bereiche. Wir von stücker machen immer zunächst einen Bestandscheck. Oft ist das Ergebnis überraschend: Viel ist noch gut – aber oft nicht optimal platziert.
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„Home Office macht das Büro doch sowieso überflüssig.“
Nein. Aber es verändert, was das Büro leisten muss. Wer ins Büro kommt, tut das heute bewusst: für Meetings, für Kreativarbeit, für Teamgefühl. Das Büro als reiner Schreibtisch-Container hat ausgedient. Was zählt, ist der sogenannte „Reason to Come In“ – ein Ort, der besser ist als das Homeoffice.
Eine Studie der University of Exeter hat belegt, dass allein die ästhetische Gestaltung des Arbeitsumfelds – Pflanzen, Bilder, Farben – die Produktivität um bis zu 17% steigern kann. Gut gestaltete Büros können die Mitarbeiterproduktivität insgesamt um bis zu 20% erhöhen. Das Homeoffice konkurriert mit dem Büro. Und das Büro muss diesen Wettbewerb gewinnen wollen.
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„Das stört den laufenden Betrieb, wir können uns keine Umbauphase leisten.“
Das ist der Einwand, den ich am meisten respektiere. Denn er ist berechtigt: Niemand will drei Wochen im Bauschutt sitzen. Deshalb planen wir bei stücker oft in Etappen. Räume werden nacheinander umgestaltet, Teams rotieren temporär. Eine vollständige Büroumgestaltung muss nicht zwangsläufig heißen, dass morgen früh alles auf dem Kopf steht.
Aus der Praxis: Wir haben für ein mittelständisches Unternehmen in Schleswig-Holstein eine komplette Neugestaltung über mehrere Wochen verteilt – ohne einen einzigen Produktionstag Ausfall. Das geht. Man muss es nur von Anfang an auch so planen.
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„Unsere Mitarbeiter wollen das gar nicht, die sind konservativ.“
Sicher? Frag sie! In fast allen Projekten, bei denen wir vorab eine einfache Mitarbeiterbefragung durchgeführt haben, war der Wunsch nach Veränderung deutlich größer als die Führungsebene angenommen hatte. Die Forschung der Hochschule München belegt: Mitarbeitende wollen die Kontrolle über ihren eigenen Arbeitsplatz. Das ist sogar einer der stärksten Treiber von Zufriedenheit und Leistung. Wer sie einbezieht, statt überrumpelt, bekommt selten Widerstand.
Was Mitarbeitende wirklich ablehnen, ist nicht Veränderung an sich – sondern Veränderung, bei der sie nicht gefragt wurden.
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„Offene Bürokonzepte steigern doch die Zusammenarbeit, das reicht uns.“
Das ist eine der hartnäckigsten Mythen der modernen Bürowelt.
Eine Übersichtsstudie der Hochschule München, die 429 empirische Studien aus 17 Jahren ausgewertet hat, kommt zu einem klaren Befund: Das Großraumbüro schneidet bei Produktivität, Zufriedenheit und Gesundheit am schlechtesten ab. Der Umgebungslärm überschreitet dort regelmäßig das empfohlene Maximum von 46 Dezibel.
Das Gegenteil von Großraum ist aber nicht zwingend Einzelbüro. Kleine Gemeinschaftsbüros mit klaren Ruhezonen und Kollaborationsbereichen sind der Sweet Spot. Genau das planen wir – keine ideologischen Konzepte, sondern individuell passende Lösungen.
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„Wir warten noch ab – vielleicht ändert sich ja noch was.“
Klar, es ändert sich ständig was in der Art, wie wir arbeiten. Umso wichtiger aber, dass wir dranbleiben. Die Arbeitswelt hat sich in den letzten fünf Jahren so stark gewandelt wie in den 20 Jahren davor. Wer jetzt wartet, verliert: im Wettbewerb um Fachkräfte, im Krankenstand, in der Produktivität. Und im Zweifel auch im wortwörtlichen Sinne, denn gute Handwerker, Lieferzeiten für qualitative Möbel und Planungskapazitäten sind endlich.
Wir sagen unseren Kunden gern: Beginnen Sie nicht mit dem großen Wurf, beginnen Sie mit einem Raum. Ein Konferenzraum, ein Teambereich, ein Empfang. Oft ist das der erste Schritt, nach dem alle berechtigterweise fragen: „Können wir das auch für den Rest machen?“
Ein letztes Wort
Ich verkaufe keine Möbel. Ich gestalte Arbeitsumgebungen, die funktionieren. Und ich erlebe seit Jahren, dass die Unternehmen, die investieren, es nicht bereuen. Nicht wegen der schönen Stühle, sondern wegen der messbaren Wirkung auf Mensch und Ergebnis.
Die Frage darf also nicht sein, ob, sondern wann und wie.
Und je früher, desto länger profitiert ihr davon.
Ihr habt Fragen oder möchtet wissen, was bei euch konkret möglich wäre? Schreibt uns oder vereinbart einen Besuch in unserem Showroom in Kiel. Wir nehmen uns Zeit für eure Einwände. Alle acht davon. 😉
Carsten Jürgens
Geschäftsführer, stücker

